In unserer edlen Religion gibt es für jede Handlung eine Grenze. Denn das Überschreiten von Grenzen wird nicht gutgeheißen. Auch für das Scherzen gibt es eigene Regeln, die eingehalten werden müssen. Im Hadith-Sammelwerk von at-Tirmidhi wird folgende Begebenheit erzählt: Die Gefährten fragten den edlen Propheten: „O Gesandter Allahs! Scherzen Sie mit uns?“ Darauf antwortete der Prophet (صلى الله عليه وسلم): „Ja, ich scherze. Aber ich sage nur die Wahrheit.“
In demselben Hadith-Sammelwerk wird berichtet, dass eine alte Frau zum Propheten (صلى الله عليه وسلم) kam und bat: „O Gesandter Allahs! Bitte Allah, dass Er mich ins Paradies eintreten lässt.“ Der Gesandte Allahs antwortete: „Wahrlich, eine alte Frau wird nicht ins Paradies eintreten.“ Als die Frau darüber zu weinen begann, erklärte er: „Eine alte Frau wird nicht als Greisin ins Paradies eintreten“, womit er meinte, dass sie im Paradies in jugendlicher Gestalt eintreten wird. Daraus erkennen wir, dass Scherze auf Wahrheit beruhen und frei von Lüge und Respektlosigkeit sein sollten. Unsere Vorfahren sagten dazu treffend: „Auch beim Scherzen, bleibe gerecht.“
Als jemand sagte: „Scherzen führt zu nichts Gutem“, entgegnete Sufyan ibn ʿUyayna: „Nein, das stimmt nicht. Für jemanden, der maßvoll scherzen kann, ist es Sunnah.“ Wenn der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) mit jemandem scherzte, hob er nicht dessen Schwächen hervor, sondern vielmehr seine Vorzüge. So nannte der Prophet den Gefährten Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) scherzhaft „O Besitzer der zwei Ohren“, um damit auf seine Aufmerksamkeit hinzuweisen. Das Ziel des Propheten war es, seinen muslimischen Bruder zu erfreuen. Das Verhalten des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم), der für jeden Muslim ein Vorbild ist, ist somit eine Lehre für uns alle.
Der Prophet scherzte stets so, dass niemand verletzt wurde, und fand für jede Person die passenden Worte. Einmal wollte Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Hahn als Opfer darbringen und fragte den Propheten (صلى الله عليه وسلم), ob das im Islam erlaubt sei. Der Gesandte Allahs antwortete scherzhaft: „Opfert etwa der Gebetsrufer den Gebetsrufer?“ und brachte so auf humorvolle Weise zum Ausdruck, dass ein Hahn nicht als Opfertier geeignet ist. Ein weiteres Beispiel: Auf einer Reise gab der Prophet dem Gefährten Safinah (dessen Name „Schiff“ bedeutet) eine Last zu tragen. Der Prophet (صلى الله عليه وسلم) sagte daraufhin: „Jetzt bist du wirklich ein Schiff (‚safina‘).“ Ein anderes Mal bat jemand darum, auf ein Kamel gesetzt zu werden. Der Prophet antwortete: „Ich setze dich auf das Junge eines Kamels.“ Als der Mann verwundert fragte: „Wie soll ich auf das Junge eines Kamels steigen?“, erwiderte der Prophet: „Kommt nicht jedes Kamel von einem Kamel? Ist nicht jedes Kamel das Junge eines Kamels?“ (Abu Dawud).
Jeder Muslim, der sich als Gläubigen sieht, sollte beim Scherzen die Etikette wahren. Das gesegnete Wort des Propheten: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll Gutes sprechen oder schweigen“, sollte uns stets bewusst sein, auch wenn wir scherzen. Denn wie unsere Vorfahren sagten: „Jedes Wort hat sein Gewicht.“
Eldos Dschumadilda
Iman-Magazin, Nr. 9, 2024
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