Tahnik bezeichnet eine Sunna-Handlung, bei der dem Neugeborenen vor dem ersten Stillen die Mundhöhle mit einer zuvor gekauten Dattel oder einer anderen süßen Speise eingerieben wird. Diese Praxis geht auf den Propheten (صلى الله عليه وسلم) zurück.
Abu Musa al-Asch'ari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) brachte seinen neugeborenen Sohn zum Propheten (صلى الله عليه وسلم). Der edle Prophet (صلى الله عليه وسلم) gab ihm den Namen Ibrahim, rieb seinen Gaumen mit Dattel ein, bat um Segen und sprach ein Bittgebet. In einer weiteren Überlieferung wird berichtet, dass der Prophet (صلى الله عليه وسلم), als der Sohn von Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) geboren wurde, mehrere Datteln kaute, sie in den Mund des Kindes legte und dessen Gaumen damit einrieb.
Hafiz ibn Hadschar schreibt in seinem Werk „Fath al-Bari“ (9/588): „Tahnik bedeutet, etwas zu kauen und damit den Gaumen des Babys einzureiben. Ziel ist es, die Mundmuskulatur des Kindes zu stärken und es auf das Saugen und Essen vorzubereiten. Am besten eignet sich dafür eine Dattel. Ist keine Dattel vorhanden, kann auch eine andere süße Speise verwendet werden. Von den süßen Speisen ist Honig am besten.“
Mit dem Fortschritt von Wissenschaft und Technik werden heute einige medizinische Aspekte dieser Sunna des Propheten (صلى الله عليه وسلم) deutlich. Mediziner erklären, dass insbesondere Frühgeborene einen Glukosemangel haben können. Dies kann dazu führen, dass das Kind nicht trinkt, das Wachstum gehemmt wird, das Gehirn Schaden nimmt und weitere Krankheiten auftreten. Durch das Tahnik mit Dattel oder einer anderen süßen Speise wird dieser Glukosemangel ausgeglichen, da Datteln reich an Glukose sind.
Wie in den oben genannten Hadithen berichtet, ließen die Gefährten das Tahnik vom Propheten (صلى الله عليه وسلم) durchführen. Dies hatte auch einen segensspendenden (tabarruk) Aspekt. So berichtet Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass Umm Sulaym nach der Geburt sagte: „O Anas! Bringe dieses Kind zum Propheten (صلى الله عليه وسلم) und gib ihm nichts zu essen, bevor er das Tahnik durchgeführt hat.“ Imam an-Nawawi erläutert dazu: „Wenn ein Kind geboren wird, sollte man es zu rechtschaffenen und angesehenen Personen bringen, damit sie den Gaumen mit Dattel einreiben.“ (Scharh an-Nawawi 'ala Muslim 14/100).
Auch in unserer Kultur gibt es den Brauch, dass Neugeborenen von angesehenen Ältesten, Helden oder Weisen in den Mund gespuckt wird. Dieser Brauch, der von unseren weisen Vorfahren überliefert wurde, hat seinen Ursprung ebenfalls in der Sunna. Ziel ist es, dass das Kind später ebenso ehrenhaft und vorbildlich wird.
Medet QURMASCHULY,
Fachreferent für Scharia und Fatwa, Muftiat Kasachstan
„Iman“-Magazin, Nr. 2, 2024
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